Brigitte Reimann

1933 -1973

(Verfasser: Uwe Holz 2022)

»Wir alle sind Irrtümern unterworfen, auch der Größte ist nicht unfehlbar – Hauptsache, er folgt seinem Gewissen und wird nicht zum Heuchler ... niemand aber wird mich zwingen können, etwas zu sagen, sofern ich nicht überzeugt bin ... schon jetzt stehe ich manches Mal im Widerspruch zur herrschenden Ansicht über diese oder jene Frage. Aber am Ende muss doch immer die Vernunft siegen, muss die Wahrheit und Menschlichkeit triumphieren.«
aus: Ankunft im Alltag (1961)

Brigitte Reimanns Erfahrungen mit der sozialistischen Arbeitswelt fanden im Kombinat Schwarze Pumpe statt, wo sie mit Siegfried Pitschmann auch einen Zirkel schreibender Arbeiter leitete. Mit der lebensnahen Schilderung „Ankunft im Alltag“ lag sie ganz auf der Linie des Bitterfelder Weges.

Im Laufe ihres Schaffens entfernte sie sich jedoch immer weiter von staatlichen Positionen des Kulturbetriebes. Auch ihr Schreibstil änderte sich. Das Romanfragment Franziska Linkerhand, eine bemerkenswert offene, fast autobiografische Schilderung, die im Jahr 1974 postum veröffentlicht wurde, erregte großes Interesse in der Literaturszene beider deutscher Staaten. Neben Arbeiten für Rundfunk, Film und Fernsehen, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde, rückten aber ganz besonders ihre Tagebücher in das Interesse der Literarturforschung.